„Es gibt viele Fragen zum Thema Industrie 4.0“

  • Thomas Simmons, Geschäftsführer des AMA Verbands für Sensorik und MesstechnikThomas Simmons, Geschäftsführer des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik

Neu im AMA Verband für Sensorik und Messtechnik ist der Arbeitskreis Industrie 4.0. Geschäftsführer Thomas Simmons erklärt, weshalb das Interesse der Mitglieder so groß ist, was deren Motivation ist und welche Ideen in dem Arbeitskreis entstehen. Welche Auswirkung das auf die Messe Sensor + Test im Juni 2018 hat, berichtet Holger Bödeker, Geschäftsführer der veranstaltenden AMA Service.

Wann entstand die Idee einen solchen Arbeitskreis ins Leben zu rufen?
Thomas Simmons: Als das Thema Sensorik und Messtechnik für die Industrie 4.0 beziehungsweise das Internet of Things vor rund 4 Jahren aufkam, wurde es im AMA Verband zuerst im Arbeitskreis Marketing & Vertrieb und später im Wissenschaftsrat diskutiert. Das Interesse unserer Mitglieder war und ist jedoch enorm, so kam aus dem AMA-Vorstand der Impuls einen eigenen Arbeitskreis zu gründen. In dem Arbeitskreis Industrie 4.0 können sich die AMA Mitglieder informieren und austauschen. Wie sich herausstellte war das eine gute Idee, die erste Veranstaltung war schnell ausgebucht, wir hatten mehr Interessenten als Plätze für Teilnehmer.

Mit welcher Intention haben Sie den Arbeitskreis gegründet?
Thomas Simmons: Bei unseren Mitgliedern gibt es ein großes Interesse und noch mehr Fragen zum Thema Industrie 4.0: Gibt es bereits Lösungsansätze verschiedener Hersteller? Warte ich bis potentielle Kunden auf mich zugehen oder überlege ich mir als Sensorhersteller, wie ich mit welchen Services meine Wertschöpfungskette erweitere? Wie sehen aufkommende, neue Geschäftsmodelle aus?
Wir starteten den Arbeitskreis mit einem World-Café, in dem die Teilnehmer ihre Fragen, Themen und Bedürfnisse ermittelten und diskutierten. Zudem wurden aus den Reihen der AMA-Mitglieder ehrenamtliche Vorsitzende gewählt, damit eine aktive Beteiligung der Mitglieder die Fragen und Bedürfnisse der Industrie beinhalten. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Industrie 4.0 stellten sich Herr Röttinger von Pewatron und Christoph Kleye von IS-Line als sein Stellvertreter zur Verfügung.

Welche Ihrer Mitglieder engagieren sich vorwiegend im Arbeitskreis Industrie 4.0?
Thomas Simmons: Im AK Industrie 4.0 engagieren sich überwiegend die Industrievertreter, weniger die Wissenschaftler.

Unter den Teilnehmer waren sowohl die großen AMA-Mitglieder als auch der klassische Mittelstand vertreten, der die große Mehrheit unter den 460 AMA-Mitgliedern bildet. Häufig haben die größeren AMA-Mitgliedsfirmen bereits Lösungsansätze, die den mittelständischen Firmen auf den Treffen vorgestellt werden.

Beim letzten Treffen des Arbeitskreises war das Interesse riesig. Was ist die Haupt-Motivation der Sensorik-Hersteller? Der Austausch mit den anderen Firmen, das Netzwerken? Die Suche nach möglichen Geschäftsmodellen?
Thomas Simmons: Etwas von allen. Es herrscht eine allgemeine Unsicherheit, nicht nur in unserer Branche, wann, wie und womit das eigene Angebot erweitert werden kann. Welche Informationen, sprich Daten, benötigt der Kunde? In welcher Form, wann und in welchem Format? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen letztendlich den Preis der Leistung und ihre Technologie. Nicht zuletzt müssen in Zukunft Dienstleistungen abgerechnet werden, was für viele Sensoranbieter ein komplett neues Betätigungsfeld sein dürfte. Das erfordert neue Kooperationspartner und erweiterte Netzwerke.

Im Rahmen dieser Treffen entstand die Idee eines Events: das AMA Innovationsforum Hardware meets Software. Es fand am 21. September nun zum ersten Mal statt. Wie ist hier Ihre Bilanz?
Thomas Simmons: Die Resonanz war sehr gut, sowohl bei den AMA-Mitgliedern als auch bei den Softwareanbietern. Das Treffen in Dortmund ermöglichte den rund 30 beteiligten Firmen ein erstes Kennenlernen. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung konnten erste Bedürfnisse ermittelt und neue Verbindungen untereinander geknüpft werden. Die Teilnehmer beider Seiten waren sehr zufrieden mit den Ergebnissen und der Möglichkeit, den direkten Kontakt miteinander aufzubauen. 

Eine andere Idee sieht vor, Software-Start-Ups die Möglichkeit zu bieten, auf der Sensor + Test auszustellen. Werden Sie diese Idee 2018 bereits umsetzen? Wie sehen hier die aktuellen Pläne aus?
Holger Bödeker: Nachdem einige Software-Start-Ups bereits auf der diesjährigen Sensor+Test erfolgreich ausgestellt haben, wollen wir diese Aktivitäten im kommenden Jahr ausbauen und bündeln. Idealerweise in Form eines Gemeinschaftsstandes „Digitale Transformation“, der auch Platz bietet, um über die Präsentation der Firmen hinaus erfolgreiche Kooperationen vorzustellen und deren Chancen und Probleme zu diskutieren. Die nötige Unterstützung für die Start-Ups ist in jedem Falle schon gesichert: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat die Förderung des geplanten Gemeinschaftsstandes für junge innovative Unternehmen bereits zugesagt.

Welchen Tipp möchten Sie gerade kleinen Unternehmen mit auf den Weg geben?
Thomas Simmons: Meine Empfehlung: Haben Sie das Ohr an der Branche. Kleine Unternehmen brauchen Kooperationspartner, da man sich gemeinsam breiter aufstellen und mehr anbieten kann. Kleinere Unternehmen sind sonst allein schnell überfordert. Zudem rate ich gerade den kleineren Herstellern den Bedarf der Kunden im Fokus zu haben, um nicht am Markt vorbei zu agieren. Aus unserer Sicht liegt die Wertschöpfung zunehmend mehr in der Verarbeitung der Sensordaten als im Sensor selbst. In einigen Fällen besteht der Bedarf an lokaler Intelligenz im Sensor, um die Datenflut zu beherrschen und die Komplexität der Systeme optimal zu managen.
Trotz der vielen Fragen, die von der Industrie noch zu beantworten sind, bewerten knapp 90 Prozent unserer Mitglieder die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung industrieller Produktion als Chance. Unsere Branche blickt damit gespannt in die Zukunft der Sensorik, die natürlich weiterhin im AMA Arbeitskreis Industrie 4.0 vorgestellt und diskutiert wird.
 

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