Was eCl@ss – ein branchenübergreifender internationaler Datenstandard – leisten kann

Standardisierte Verpackung für den globalen Datentransfer

  • eCl@ss ermöglicht den automatisierten Austausch immenser DatenmengeneCl@ss ermöglicht den automatisierten Austausch immenser Datenmengen

Der automatisierte Austausch immenser Datenmengen ist die Lebensader der Digitalisierung. Genau das ermöglicht der Stammdatenstandard eCl@ss. Und er kann noch mehr: Er optimiert viele Prozesse im CAx – von der Entwicklung bis zur automatisierten Produktion komplexer Produkte.

eCl@ss – das ist ein branchenübergreifender internationaler Datenstandard, mit dem sich sowohl Produkte als auch Dienstleistungen eindeutig klassifizieren und vor allem beschreiben lassen. Stark vereinfacht erklärt, übersetzt eCl@ss alle wichtigen Details und Eigenschaften eines Produkts in standardisierte Daten. „Am Ende steht für jedes Produkt, von der einzelnen Schraube bis zum komplexen Bauteil, ein eindeutiger Nummernschlüssel mit einer eindeutigen Beschreibung“, erklärt Thorsten Kroke,  Leiter der Geschäftsstelle des Vereins eCl@ss e.V. in Köln.
Wozu das gut ist? „Unser Datenstandard erleichtert den Datenaustausch zwischen Kunden und Lieferanten auch über Sprach- und Branchengrenzen hinweg“, so Kroke. eCl@ss ist quasi der 20-Fuß-Container der digitalisierten Wirtschaft – und treibt den globalen Datentransfer ebenso an, wie es der Container mit dem Welthandel tut: als standardisierte Verpackung, die Transport und Verarbeitung erheblich vereinfacht. „Mittlerweile nutzen rund 3.500 in- und ausländische Unternehmen unseren Datenstandard“, so Alexandra Bouchain von eCl@ss. Darunter finden sich zahlreiche Global Player wie Pepperl + Fuchs, ABB oder Siemens – oder auch Phoenix Contact. Am Stammsitz im westfälischen Blomberg produziert das traditionsreiche Unternehmen Verbindungs- und Automatisierungstechnik. „Rund 60.000 Produkte in 13 Business Units umfasst unser Portfolio, unsere Produkte kommen in der Verkehrsinfrastruktur, der Elektromobilität, in der Wasser- und Energieversorgung zum Einsatz“, fasst Josef Schmelter zusammen, der als Master Specialist Classification bei Phoenix Contact die Datenbereitstellung der Produktdaten verantwortet. Ein Großteil der Phoenix-Produkte steckt in Schaltschränken. „Überall dort, wo Daten, Signale oder Energie übertragen und konditioniert werden“, erklärt Schmelter.

Die Lösungen des Unternehmens sind hochkomplex, mitunter weisen sie eine dreistellige Zahl von Merkmalen auf – und alle müssen eindeutig beschrieben werden. „Unsere Kunden verlangen hier standardisierte Daten“, so Schmelter, „und genau hier hilft uns eCl@ss.“ Alle Phoenix-Contact-Produkte lassen sich somit bis ins allerkleinste Detail aufschlüsseln. Das fängt bei Basismerkmalen wie Höhe, Breite oder Tiefe an. Und führt bis zu einem kompletten mechanisch-elektrischen Abbild – dem digitalen Produkt: Welche Spannung halten die Komponenten aus, wie können sie geschaltet werden, in welche Richtung kann man sie anschließen, welche Funktion haben sie im Fertigungsprozess? „Alle für die Kunden erforderlichen Informationen werden durch eCl@ss verfügbar gemacht“, erklärt Schmelter.

Auch komplexe Funktionalitäten und Strukturelemente beschreibbar 
Doch eCl@ss ist längst mehr als ein reiner Beschaffungsstandard. Er kommt nicht nur im Warengruppenmanagement oder in Kataloganwendungen zum Einsatz, sondern auch im CAx-Bereich. „Auch in anderen Use Cases wie im Engineering oder der automatisierten Fertigung leistet uns eCl@ss wertvolle Dienste“, bestätigt Phoenix-Contact-Experte Schmelter.
Im CAx-Bereich kommt an dieser Stelle eine Weiterentwicklung ins Spiel: eCl@ss-Advanced. Mit dieser Struktur lassen sich auch komplexe Funktionalitäten und Strukturelemente der Produkte beschreiben. „In eCl@ss-Advanced sind die Inhalte des eCl@ss-Standards so weiterentwickelt worden, dass man nun über standardisierte Schnittstellen beispielsweise auch verschiedene Engineering-Tools der Kunden mit Daten versorgen kann“, so Schmelter. So ließen sich beispielsweise die exakten Positionen von Bohrlöchern an einem Produkt festlegen und via eCl@ss-Advanced beschreiben. „Ein entsprechendes rechnergestütztes Fertigungsgerät in der Produktion kann diese Informationen dann später aufnehmen und entsprechend ausführen.“
Die Vorteile für alle Beteiligten liegen für Schmelter dabei klar auf der Hand. „Alle erforderlichen Prozesse, von der Entwicklung über das Engineering bis hin zur rechnergestützten Fertigung in der Produktion werden durch eCl@ss-Advanced optimiert.“ Zudem würden Prozesse deutlich beschleunigt, Fehlerquellen effektiv trockengelegt.

„Standardisierte Semantik ist unerlässlich für Industrie 4.0“
Zu Ende ist die Weiterentwicklung des Datenstandards noch nicht. Ganz wie eine Sprache passt sich auch eCl@ss stetig den sich wandelnden Gegebenheiten an. „In Zusammenarbeit mit den Experten der Industrie entwickelt unser Team den Standard ständig weiter, von Jahr zu Jahr, von Release zu Release kommen neue Branchen, neue Sachgebiete und Produktgruppen hinzu“, sagt eCl@ss-Geschäftsstellenleiter Thorsten Kroke.
Gut zwei Dutzend Branchen vom Automobilbau bis zum Büromaterial werden bereits abgedeckt, zuletzt sind die Möbelbranche, die Pharmazie und die Sport- und Freizeitgeräte neu hinzugekommen. Rund 41.000 Produktklassen und mehr als 17.000 Merkmale garantieren den eCl@ss-Kunden dabei größtmögliche Detailtiefe bei der Beschreibung ihrer Produkte. „Vielfach fordern Unternehmen von ihren Lieferanten bereits ein Stammdatenmanagement in eCl@ss“, berichtet Kroke. Für Anbieter könne es im globalen Wettbewerb also entscheidend sein, ihre Produkte entsprechend zu präsentieren.
Eine Entwicklung, die sich zukünftig sogar noch deutlich verstärken könnte. Wegen eines Megatrends in der Digitalisierung: Industrie 4.0. Maschinen, Werkzeuge und Bauteile sollen sich in dieser Vision der digitalen Zukunft unserer Wirtschaft punktgenau und über Betriebe hinweg verstehen können, Fertigungsprozesse noch stärker automatisiert ablaufen als schon gegenwärtig. Voraussetzung dafür ist in den Augen der Experten: bestmögliches Datenmanagement.
„Die standardisierte Semantik, also die einheitliche Bedeutung der Daten, ist für das Gelingen von Industrie 4.0 unerlässlich“, betont beispielsweise Christian Mosch vom Forum Industrie 4.0 beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Nur so könnten Produkt- und Produktionsinformationen von Unternehmen, Anlagen und Prozessen auch weltweit verstanden werden. „Industrie 4.0 ist für unser System eine riesige Chance“, ist Kroke optimistisch. „Gebraucht wird eine Datensprache, in der sich Maschinen miteinander unterhalten und sich verstehen können. Und genau das bieten wir an.“
 

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