Mit neuartigen Stromzählern und schlauen Algorithmen wollen Fraunhofer-Forscher künftig das Energiemanagement revolutionieren. Den Wissenschaftlern und ihren Partnern ist es gelungen, den Gesamtstromverbrauch nach Geräten aufzuschlüsseln. Dafür genügt ein einziger Hightech-Strommesser. Ein Prototyp des Systems wird auf der Messe BAU 2017 präsentiert. Im Sommer 2017 kommt es auf den Markt.

Die Stromkosten steigen und Energiesparen ist längst kein Trend mehr, sondern pure Notwendigkeit. Doch viel mehr als Geräte abschalten oder im Sparmodus betreiben, war bisher nicht möglich. Das könnte sich nun mit einer Technik namens Nilm (Non-intrusive Load Monitoring) radikal ändern. Entwickelt wurde Nilm im gleichnamigen Projekt des Fraunhofer-Instituts für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg. Startschuss für das zweijährige Vorhaben, an dem unter der Federführung des IMS weitere Partner aus der Industrie beteiligt sind, war Oktober 2015.

Fingerabdruck im Stromnetz
Die Technik basiert auf einem simplen Prinzip: Jedes Gerät weist beim Stromverbrauch ein Muster auf. So entsteht eine Art Signatur oder Fingerabdruck im Stromnetz. Mit Hilfe von Algorithmen lässt sich diese Signatur im Gesamtstromverbrauch erkennen und damit der Verbrauch des einzelnen Geräts feststellen. Nötig ist dafür nur ein einziges Messgerät mit dreiphasiger Strom- und Spannungsmessung. Die aufwendige Installation und Verwaltung vieler Messgeräte, das sogenannte Sub-Metering entfällt.

Lastspitzen im Netz vermeiden
Eine Software visualisiert die nach Verbrauchern aufgeschlüsselten Daten. Das Programm zeigt die Stromaufnahme in Echtzeit an. So kann der Anwender feststellen, wenn die Espressomaschine sich einschaltet, die Waschmaschine gerade schleudert oder eine Lampe ausgeschaltet wird. Außerdem erkennt er, wenn ein Gerät defekt ist. Denn dadurch ändert sich auch die typische Signatur im Stromverbrauch. So macht sich etwa eine schadhafte Dichtung am Kühlschrank durch erhöhte Energieaufnahme bemerkbar.