"Ich möchte den Cybathlon in die Welt hinaustragen"

Maxon unterstützt als Presenting Partner den Cybathlon in Zürich

  • Robert Riener ist Professor für sensomotorische Systeme an der ETH Zürich und Professor für Rehabilitationsrobotik an der Universitätsklinik Balgrist. Er gilt als einer der renommiertesten Forscher im Bereich der Rehabilitationsrobotik. Dazu zählen motoriRobert Riener ist Professor für sensomotorische Systeme an der ETH Zürich und Professor für Rehabilitationsrobotik an der Universitätsklinik Balgrist. Er gilt als einer der renommiertesten Forscher im Bereich der Rehabilitationsrobotik. Dazu zählen motori

Am 2. und 3. Mai 2020 findet die zweite Austragung des Cybathlon in Zürich statt. Erneut treten Menschen mit körperlichen Behinderungen in Parcours gegeneinander an – unterstützt von modernsten technischen Assistenzsystemen. Maxon ist als Presenting Partner ganz vorne mit dabei. Der Antriebsspezialist maxon hat den Cybathlon bereits 2016 als Partner und Sponsor unterstützt. Unter anderem bauten die Lernenden des Unternehmens ein höhenverstellbares Siegerpodium. Ohne zu zögern, ist maxon auch für die zweite Austragung mit an Bord gegangen – als Presenting Partner. CEO Eugen Elmiger sagt dazu: "Wir glauben daran, dass hervorragende und neugierige Ingenieure die Welt besser machen können. Deshalb hat maxon den Cybathlon von Beginn an unterstützt."

Robert Riener ist der geistige Vater des Cybathlon und auch bei der zweiten Austragung mit dabei. Er verrät, welche neuen Herausforderungen die Teams erwarten und dass man Technik auch einsetzen kann, um sensible Themen anzusprechen.

Robert Riener, wenn Sie an den ersten Cybathlon vor vier Jahren zurückdenken: Was kommt Ihnen dann als Erstes in den Sinn?

Die vielen Emotionen, die ich erleben durfte! Das Publikum im Stadion sorgte für eine grossartige Stimmung, die Piloten mit ihren Teams waren mit vollem Einsatz dabei. Es war rundum ein toller Event, was wir so nicht erwarten durften.

Gab das auch gleich den Anreiz, weiter zumachen?

Sicherlich, ja. Es hat von allen Seiten her gut funktioniert – von der Logistik bis zum Fundraising. Den Schwung, den wir mit dem Cybathlon ausgelöst hatten, wollten wir unbedingt mitnehmen. Deshalb hat die ETH rasch entschieden, den Event wieder durchzuführen und die Zeit bis dahin mit kleineren Anlässen – den Cybathlon Series und Experiences – zu überbrücken (siehe nächste Seite).

Sie sind Präsident des strategischen Beirats und verantwortlich für das Organisationsteam. Werden Sie den Event 2020 trotzdem entspannt verfolgen können?

Es wird für mich wohl ähnlich laufen wie 2016. Das heisst, ich werde nicht oft auf der Tribüne sitzen, sondern nach dem Rechten sehen und Interviews geben.

Gleichzeitig weiss ich ja, dass letztes Mal alles gut funktioniert hat und das Team super eingespielt ist. Vielleicht kann ich mich also doch etwas mehr zurücklehnen. Wir werden sehen.

Der Cybathlon findet jetzt neu an zwei Tagen statt mit den gleichen sechs Disziplinen. Was ändert sich für die Piloten?

Wir mussten alle Disziplinen etwas anpassen beziehungsweise schwieriger machen, weil die Technik in den letzten vier Jahren besser geworden ist. Schliesslich sollen die Rennen spannend bleiben. Wir haben die Cybathlon Series und Experiences genutzt, um neue Aufgaben zu testen und bei Bedarf anzupassen. Ein interessantes neues Element ist zum Beispiel beim Armprothesen-Rennen, dass die Piloten Objekte erfühlen müssen.

Fühlen mit einer Handprothese? Ist das nicht etwas weit weg von der Realität?

Überhaupt nicht. Ohne das Spüren können wir motorische Aufgaben nicht erfolgreich durchführen. Jeder Muskel braucht also auch sensorische Information. Es gibt Piloten, die das mit ihren modernen Prothesen bereits erfolgreich getestet haben. Sie nutzen entweder einen Rückkopplungsmechanismus in der Prothese oder besitzen eine gute Stumpfanbindung, über die sie die Kraftübertragung spüren.

Wie kann man sich das genau vorstellen?

Die neuesten Entwicklungen erlauben es, dass Kontaktkräfte zwischen Prothesenhand und berührtem Objekt gemessen werden. Diese Information wird dann dem Nutzer unmittelbar über oberflächige, vibrotaktile Stimulatoren oder durch implantierte Nervstimulation mitgeteilt. Einfacher ist die natürliche Kraftübertragung über den Prothesenstumpf. So kann der Nutzer indirekt fühlen, ob das berührte Objekt z. B. hart oder weich ist. Das ist so, als würden Sie ein Objekt mit einem Stock abtasten.

Welche ist Ihre Lieblingsdisziplin beim Cybathlon?

Exoskelette und Rollstühle sind faszinierend, weil sie die kompliziertesten Techniken besitzen. Doch das Spannendste zum Zuschauen sind die Bikerennen mit ihren Überholmanövern und der Unsicherheit, ob es die Piloten in der vorgegebenen Zeit über die Ziellinie schaffen.

Auf den ersten Blick haben sich die Assistenzsysteme seit dem letzten Cybathlon nicht gross verändert. Welche Technologie liegt aus Ihrer Sicht hinter den Erwartungen zurück?

Exoskelette sind noch immer relativ langsam. Sie könnten wohl schneller laufen, wenn die Entwickler das Prinzip der elastischen Energieerhaltung und Ballistik vermehrt nutzen würden – ähnlich dem Wechselspiel zwischen Sehnen, Muskeln und Gelenken beim Menschen.

Man kann Sehnen simulieren?

Sehnen verhalten sich wie Gummibänder mit hoher Steifigkeit. Sie können bei jedem Schritt Bewegungsenergie speichern und im richtigen Moment wieder freigeben. Das verringert die Arbeit der Muskeln und kann durch ein raffiniertes Wechselspiel zwischen elastischen Federn und Motoren nachgeahmt werden. Damit könnte man Energie sparen und die Batterielaufzeit deutlich verlängern. Ich glaube, das wird in den nächsten Jahren kommen. Zudem wird es bis dann auch mehr Prothesen geben, die fühlen können. Das Potenzial in der Robotik ist riesig. Wir brauchen einfach noch mehr Zeit und mehr Anstrengung.

Was muss bezüglich Elektromotoren noch besser werden?

Wenn die Leistungsfähigkeit verbessert wird, ist das grundsätzlich immer gut. Aber fast wichtiger ist es, die Geräuschentwicklung zu reduzieren. Das ist bei einigen Anwendungen heute noch störend. Ausser, man bringt die Menschen dazu, diese Geräusche als normal zu empfinden, was auch eine Möglichkeit wäre.

Wie geht es nach dem Cybathlon 2020 weiter?

Es wird weitere Experiences und Series geben sowie Cybathlon at School. Dort stellen Menschen mit Behinderung die aktuelle Technik von Assistenzsystemen vor und helfen auf diese Weise, Berührungsängste zwischen Kindern und Menschen mit Behinderung abzubauen. Und natürlich wird es wieder einen Hauptevent geben in vier Jahren: entweder erneut in Zürich oder dann in Singapur, wo es eine ETH-Abteilung gibt. Ich würde es toll finden, denn ich möchte den Cybathlon in die Welt hinaustragen.

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Maxon Motor AG

6072 Sachseln
Schweiz
Telefon: +41 41 6661500
Telefax: +41 41 6661650

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