4.0 vs. 0:4 oder: Die Kunst, nicht übers Ziel hinaus zu schießen

Industrie 4.0 ist eigentlich keine Frage des Wollens, sondern des Müssens. Das heißt, wer vorn mitmischen möchte, kommt um das IoT nicht herum. Philipp Boehmert, Handlungsbevollmächtigter und Gesamtverantwortlicher für den Bereich Marketing und Vertrieb bei Autosen, sieht die Sache anders und er erklärt in seinem Kommentar, warum das Industrie-4.0-Konzept auch schnell zur Niederlage werden kann.

Man muss ja bekanntlich nicht jeder Sau nachrennen, die durchs Dorf getrieben wird. Andererseits handelt es sich bei Industrie 4.0 schon um einen kapitalen Keiler. Das Internet der Dinge elektrisiert die Branche - zu Recht, aber es wird Zeit, das Schlagwort einmal zu hinterfragen, damit aus 4.0 nicht eine 0:4 Niederlage für die Unternehmen wird, die falsch oder zum falschen Zeitpunkt in vermeintliche Zukunftstechnologien investieren.

„Nicht alles, was technisch möglich ist, auch nötig ist."

Autosen vertreibt Sensoren über das Internet. Und, um es also gleich vorweg zu nehmen: Ja, natürlich würden wir stärker von möglichen 4.0-Prozessen profitieren als konventionelle Anbieter, weil unser Geschäftsmodell anders ist, als das der anderen: Start-up halt. Man stelle sich nur eine automatisierte, ja autarke Ersatzteilbeschaffung über das Internet vor. Im Internet der Dinge sollen ja alle Komponenten möglichst eigenständig agieren. Wahrscheinlich wäre es sogar ein Leichtes, den 4.0-Trumpf heute schon auszuspielen. Sensoren mit dem entsprechenden Label sind reichlich auf dem Markt. Das aber wäre aus unserer Sicht zu kurz gesprungen. Denn nicht alles, was technisch möglich ist, auch nötig ist. Und unser Geschäftsmodell eben doch etwas konservativer ist, als man vermuten mag. 

Wer sich noch an die UMTS-Anfänge erinnert, weiß, dass es Jahre dauerte, bis endlich eine Killer-Applikation gefunden wurde. Heute sind Smartphones und deutlich schnellere Übertragungstechno-logien alltäglich und deutlich günstiger, quasi für 'n Appel und 'n Ei (resp. an „apple" and an „i") zu haben. Ähnliche Beispiele gab es zuhauf und es gibt sie immer noch. Navigationssysteme, die Galileo-Daten verarbeiten können, ein Satellitensystem, das noch gar nicht im Orbit ist?

Geschenkt. Aber es gibt auch positive Blaupausen. HD-ready in der TV-Technik etwa - hier haben Hersteller die technologische Entwicklung mit vorangetrieben, indem sie rechtzeitig die richtige Hardware auf den Markt brachten und damit eine Nachfrage geschaffen haben. Bei den Sensoren sehen wir das - Stand heute - noch nicht. 

„Im digitalen Zeitalter ist Fortschritt per se eine herstellerübergreifende Entwicklung."

Die beschriebene Blaupause funktioniert nur auf Basis offener Schnittstellen und gemeinsamer Stan-dards - nicht mit proprietären Systemen. Im digitalen Zeitalter ist Fortschritt per se eine hersteller-übergreifende Entwicklung. Die Aufgabe von Autosen ist es, an der Schnittstelle zwischen Herstellern und Anwendern die besten, praxisgerechten Lösungen im Markt zu finden. Denn Innovation ist kein Selbstzweck und so manche Funktion wird so schnell wieder vom Markt verschwinden, wie sie aufge-taucht ist. Das Nachsehen hat der Anwender, der in die nutzlose Technik investiert hat. Wir setzen daher bewusst auf ein kleines Sortiment zukunftsfähiger, aber vor allem auch gegenwartsfähiger Geräte. Geräte, die auf Sicht Teil einer größeren Einheit namens „Ding" bleiben werden. Denn in der Atomisierung der Internets der Dinge liegt ein zentrales Missverständnis. Es kommt eben nicht darauf an, dass jede Komponente, jede Schraube intelligent wird, sondern darauf, dass funktionale Einheiten autark agieren, untereinander kommunizieren und so die Automatisierung einer Produktions- oder Lageranlage auf einen neuen Level bringen. 

„Sensoren sollten Daten und Informationen in hinreichender Qualität liefern - nicht mehr, aber auch nicht weniger." 

Industrie 4.0 basiert auf Intelligenz und Informationen - und auf Arbeitsteilung. Sensoren sollten Daten und Informationen in hinreichender Qualität liefern - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Intelligenz hingegen liegt in den überlagerten Steuerungen, dem Materialflussrechner, dem MES oder dem ERP.
Es besteht kein Grund, die Sensorik zu überfrachten. Zusätzliche Informationen auszulesen und zu übermitteln, ist technisch keine große Herausforderung. Den Mehrwert dieser Informationen aber generieren die intelligenten Systeme im Hintergrund. Die wenigsten Unternehmen verfügen heute über eine entsprechende Software. Industrie 4.0 ist kein Ereignis, sondern ein Prozess, der gut geplant und wohl überlegt angegangen werden will, um die eigenen Investitionen - in manchen Fällen sogar das Geschäftsmodell - nicht zu gefährden. Diesen Prozess bei der Sensorik zu starten, hieße, das Pferd von hinten aufzuzäumen. 

 

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45130 Essen
Telefon: +49 201 74 91 89 21

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