Im Interview: Dominik Obermaier, CTO bei HiveMQ, über MQTT als den offenen Standard der Zukunft

  • Dominik Obermaier: „HiveMQ hat sich zu einer sehr erfolgreichen Plattform entwickelt, die eine bidirektionale Kommunikation zwischen IoT-Geräten und der Cloud ermöglicht.“ Dominik Obermaier: „HiveMQ hat sich zu einer sehr erfolgreichen Plattform entwickelt, die eine bidirektionale Kommunikation zwischen IoT-Geräten und der Cloud ermöglicht.“

Das IoT hat Potenzial. Das dachten sich 2012 auch drei schlaue Köpfe und gründeten das Start-up HiveMQ. Ihr damaliges Ziel: eine Plattform für IoT-Projekte. Ob das Unternehmen ihr Ziel erreicht hat und welche Perspektiven HiveMQ heute sieht, erklärt uns Dominik Obermaier. 

HiveMQ ist ein Start-up mit Sitz in Landshut. Wer sind die Köpfe dahinter und welche Idee gab den Anstoß für die Gründung? 

Dominik Obermaier: Wir – das sind Christian Götz, Christoph Schäbel und ich – gründeten HiveMQ im Jahr 2012. Damals begannen Unternehmen damit, Anwendungsfälle für das Internet der Dinge und die M2M-Kommunikation zu implementieren. Eine der größten Herausforderungen für diese Unternehmen war die zuverlässige und skalierbare Anbindung von IoT-Geräten an die Cloud. Wir entdeckten das MQTT-Protokoll als die bestmögliche Lösung für dieses Problem und starteten mit der Entwicklung des HiveMQ-MQTT-Brokers. Unser Ziel war es, eine Plattform zu schaffen, die Großunternehmen für ihre IoT-Projekte nutzen können. In Zusammenarbeit mit einigen frühen Kunden aus der Automobilindustrie hat sich HiveMQ zu einer sehr erfolgreichen Plattform entwickelt, die eine bidirektionale Kommunikation zwischen IoT-Geräten und der Cloud ermöglicht.

Mit einer Umsatzsteigerung von 1.200 Prozent in den Jahren 2013 bis 2017 gehören Sie zu den am schnellsten wachsenden Start-ups in Deutschland. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung? 

Als eines der schnellst-wachsenden Tech-Start-ups in Deutschland fokussieren wir uns auf den Erfolg unserer Kunden. Deshalb arbeiten wir sehr eng mit einigen sehr großen Kunden zusammen, um deren Anforderungen zu verstehen und qualitativ hochwertige IoT-Lösungen in kürzester Zeit zu liefern. Genau dieser Ruf, schwierige IoT-Herausforderungen in kurzer Zeit zu lösen, ermöglichte es uns, bereits über 130 Kunden für unsere Plattform zu gewinnen. Wir stehen gerade erst am Anfang und erwarten, dass wir unser schnelles Wachstum in den nächsten Jahren fortsetzen werden.

HiveMQ helps companies connect devices to the Internet. Wie genau und in welchen Anwendungen?

HiveMQ implementiert den offenen Standard MQTT, der sich zum De-facto-Protokoll für IoT-Konnektivität entwickelt hat.

Das leichtgewichtige Publish/Subscribe-Protokoll MQTT macht die Datenübertragung zwischen angeschlossenen Geräten und der Cloud möglich. Durch die Implementierung von MQTT in HiveMQ können Unternehmen Tausende und sogar Millionen MQTT-fähige Geräte, die Daten über einen HiveMQ-Broker austauschen, vernetzen. Der Broker kann dabei on-premise oder auch in der Cloud laufen.

Wie schon erwähnt, vernetzen unsere Kunden eine Vielzahl von Geräten. So basiert beispielsweise die Connected-Car-Plattform von zwei großen deutschen Automobilherstellern auf HiveMQ. HiveMQ wird auch in der Produktion eingesetzt, um Fertigungsanlagen an Betriebssysteme anzuschließen, oder im Transportbereich, um Drohnen, die medizinische Testproben liefern, zu verfolgen und zu kontrollieren. HiveMQ und MQTT haben sich als sehr flexibel und zuverlässig für eine Vielzahl von Anwendungsfälle erwiesen.

Was sind denn die drei Hauptmerkmale von HiveMQ und wo liegen die konkreten Vorteile für den Kunden?

Unsere Kunden verwenden HiveMQ typischerweise für geschäftskritische Systeme, die eine unbedingte Ausfallsicherheit erfordern. Um eine hohe Verfügbarkeit zu erreichen, ist HiveMQ mit einer dezentralen und master-losen Clusterarchitektur ausgestattet. Dies bedeutet, dass es keinen Single Point of Failure gibt und der Cluster zur Laufzeit wachsen und schrumpfen kann, ohne dabei Daten oder Verfügbarkeit zu verlieren. Unsere Kunden setzen HiveMQ in einer Cloud-Plattform oder on-premise ein und erreichen so ein hohes Maß an Verfügbarkeit. 

Durch die von HiveMQ angebotenen Tools, können Unternehmen ihre vernetzten Geräte überwachen und Fehler beheben. Das HiveMQ-Control-Center erlaubt es dem Benutzer, den Zustand der HiveMQ-Broker-Instanzen zu monitoren und den Messaging-Durchsatz einzelner MQTT-Geräte zu verfolgen. Die Visibilität und Transparenz, die das Control-Center bietet, gibt den Nutzern die Gewissheit, dass sie schnell auf jedes Problem reagieren können, sollte eines in ihrem System auftreten.

Zudem vereinfacht HiveMQ die Integration von MQTT-Nachrichten in die bestehenden OT- und IT-Systeme unserer Kunden. Das HiveMQ-Enterprise-SDK ermöglicht das Schreiben von Erweiterungen. So können MQTT-Nachrichten schnell und zuverlässig an Unternehmensdatenbanken, andere Nachrichtensysteme, ERP-Systeme, PLM-Systeme usw. weitergeleitet werden. Wir bieten beispielsweise eine vorgefertigte Erweiterung für Apache Kafka an, die einen bidirektionalen Nachrichtenfluss zwischen IoT-Geräten und einem Kafka-Cluster mit MQTT-Nachrichten ermöglicht.

Ihre HiveMQ-Plattform, die auf dem IoT-Standard-Kommunikationsprotokoll MQTT basiert, ermöglicht eine absolut sichere und hochverfügbare Datenübertragung zwischen vernetzten Geräten und der Cloud. Wie gewährleisten Sie eine 100-prozentige Sicherheit? 

HiveMQ bietet zahlreiche Lösungen für die IoT-Sicherheit. Unser MQTT-Broker und -Client gewähren eine sichere Nachrichtenverschlüsselung mit SSL/TLS. Den Nachrichtenaustausch zwischen Clusterknoten können wir ebenfalls mit TLS absichern. Wir bieten zudem eine Enterprise Security Extension an, die eine enge Integration mit externen Authentifizierungs- und Autorisierungssystemen sicherstellt. Diese Erweiterung ermöglicht die Geräteauthentifizierung mit Benutzername/Passwort, OAuth 2.0-Token und x.509-Zertifikaten. 

Ist die Industrie – speziell der deutsche Maschinen- und Anlagenbau – bereit für die totale Vernetzung respektive Digitalisierung? 

In den vergangenen Jahren konnten wir ein zunehmendes Interesse an der Digitalisierung von Fabriken beobachten. Produktionsunternehmen suchen nach Möglichkeiten, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Modernisierung ihrer Betriebe zu verbessern. In vielen Fabriken ist die bestehende Software-Betriebsinfrastruktur veraltet und basiert auf proprietären Protokollen, wodurch die Integration der Gerätedaten in neue Systeme erschwert wird.  Diese Unternehmen setzen auf MQTT, um einen offenen Standard für die Integration zwischen Produktionsanlagen, OT- und IT-Systemen zu schaffen.

Aktuell bieten Sie Lösungen für die Automobilindustrie sowie den Bereich Transport & Logistik. Welche Branchen stehen noch auf der Agenda?

Neben den Bereichen Automotive, Transport & Logistik konzentrieren wir uns auf Industrie 4.0 und die Telekommunikationsbranche. Wie bereits erwähnt, sehen wir ein zunehmendes Interesse von produzierenden Unternehmen, die ihre Fabriken modernisieren wollen. HiveMQ ist in der Lage, on-premise in einer Fabrik zu laufen und als Nachrichtenbus für die Integration bzw. Verbindung der Fabrikanlagen mit den verschiedenen OT/IT-Systeme zu fungieren. In der Telekommunikation nutzen Unternehmen wie Liberty Global HiveMQ für ihre digitale Medienplattform der nächsten Generation. Diese Unternehmen überarbeiten ihre Kundenerfahrungen, um ein nahtloses Anzeigeerlebnis auf allen Endgeräten zu ermöglichen. HiveMQ kann die Anzeigeinformationen effektiv koordinieren, wenn ein Kunde beispielsweise von einem Bildschirm zum anderen wechselt.

Wie schaut Ihre Roadmap für die kommenden drei Jahre aus? 

Die nächsten drei Jahre werden sehr spannend. Ein Schwerpunkt wird das Angebot einer HiveMQ-Cloud-Lösung sein. So können wir unseren Kunden einen Cloud-verwalteten Service für ihre MQTT-Brokeranforderungen bieten. Wir werden weiterhin eine On-Premise-Lösung anbieten, doch benötigen immer mehr Kunden eine Hybrid-Cloud-Strategie, mit der verschiedene Cloud-Plattformen und On-Premise-Plattformen verbunden werden können.
Für unsere Industrie4.0-Kunden ist es unerlässlich, dass HiveMQ auch “at Edge” laufen kann. Wir möchten die Bereitstellung und Verwaltung eines HiveMQ-Brokers in einem verteilten Netzwerk von IIoT-Gateways und Edge-Geräten vereinfachen. In Fabriken verstehen wir Edge-Geräte als Datenaggregatoren, die Informationen untereinander austauschen können. HiveMQ eignet sich gut als Vermittler für diese Art von Informationen.
Zudem planen wir weiterhin mit unseren Partnern zusammenzuarbeiten, um mehr Enterprise Extensions für HiveMQ zu entwickeln. Unser Ziel ist es, MQTT und HiveMQ zum Rückgrat für den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Unternehmensdiensten zu machen. In den nächsten drei Jahren denken wir, dass Kunden daran interessiert sind, dass ein offener Standard für die Gerätekonnektivität eingeführt wird. Große Unternehmen möchten nicht an ein proprietäres Protokoll gebunden sein. Wir glauben, dass MQTT der offene Standard sein wird, den Unternehmen für die Integration ihrer vorhandenen und neuen Geräte übernehmen werden.

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