Interview mit Raimund Ruf, Business Manager HMI bei B&R

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B&R ist bekannt für seine HMI- und IPC-Systeme. Doch was hat sich durch die Übernahme von ABB gerade im IPC-Bereich getan? An welchen Systemen wird gerade entwickelt? Und wie wichtig sind die Computer in der Industrie 4.0-Welt? Diese und andere Fragen stellten wir Raimund Ruf, Business Manager Human Machine Interfaces bei B&R in Eggelsberg.

Auf der Internet-Seite von B&R stehen die IPCs unter der Rubrik „Produkte“ ganz oben in der Liste. Spiegelt das die Bedeutung der Abteilung für B&R wider?

B&R deckt das gesamte Produktportfolio für Automatisierungstechnik ab. Insofern ist die Reihenfolge auf unserer Website keine Wertung. Generell ist der Bereich der Industrie-PCs und Panels in jedem Fall ein wesentlicher Bestandteil der Angebotspalette. Die Automation PCs werden als offenes System unter Standardbetriebssystemen verwendet, z.B. für SCADA-Applikationen. In vielen Anwendungen dienen die Industrie-PCs auch als Steuerung mit dem Echtzeitbetriebssystem Automation Runtime. Eine Kombination aus Echtzeitbetriebssystem und Windows auf einem Gerät ist ebenfalls möglich.

B&R ist inzwischen fest in die Struktur von ABB integriert. Hat sich ihre Arbeit dadurch verändert? Wenn ja, wie und wo?

B&R bleibt auch unter dem Dach des ABB-Konzerns das bekannte sehr agile Unternehmen, das schnell und flexibel auf Kunden- und Marktanforderungen reagiert. Insofern hat sich durch ABB nichts geändert, die Produktentwicklungen gehen wie geplant weiter. Gleichzeitig bieten sich in Verbindung mit ABB große Chancen im Markt, da B&R das Produktportfolio von ABB optimal ergänzt und gemeinsame Synergien genutzt werden können.

Der Mutterkonzern investiert im Moment in die Standorte Eggelsberg und Gilgenberg. Wie wirkt sich das auf die IPC-Entwicklung und -Produktion aus?

Die Entwicklungsabteilung wird in zwei Jahren in den neuen Innovations- und Bildungscampus einziehen und dort in einem hochmodernen Umfeld arbeiten. Der neue Gebäudekomplex bietet mit 35.000 m² viele Möglichkeiten, die einzelnen Arbeitsfelder neu auszurichten und vor allem Platz für das Wachstum zu schaffen.

Produktionsseitig bleibt die IPC-Fertigung im jetzigen Werk erhalten. Wir haben dort in den letzten Jahren eine hocheffiziente Linienfertigung eingerichtet, in der trotz großer Stückzahlen individuell konfigurierte IPC-Systeme bis zu Losgröße 1 produziert werden. Zusätzlich können wir Kunden die Komplettierung abnehmen und zum Beispiel Software-Images oder Zusatzkarten installieren. Viele Anwender nutzen dies bereits und lassen die Automation PCs einschaltfertig zum Schaltschrankbauer liefern.    

Vor kurzem wurde der Automation PC 910 überarbeitet. Welche Systeme werden als nächstes überholt? Oder planen Sie die Einführung einer komplett neuen Linie?

Wir haben letztes Jahr mit dem Automation PC 3100 eine komplett neue Produktlinie eingeführt, die zwischen den sehr kompakten Automation PC der 2000-er Reihe und den Automation PC 910 angesiedelt ist. Letzteren gibt es in drei Gehäusevarianten, die mit bis zu fünf PCI und PCI Express Slots ausgestattet sind. Der Automation PC 3100 vereint die lüfterlose Konstruktion der Kompaktgeräte mit leistungsfähigen Core-i-Prozessoren und einer Vielzahl an Interface-Optionen. Auf PCI- und PCI-Express-Steckplätze haben wir bewusst verzichtet, da heute die Vernetzung hauptsächlich über Gigabit Ethernet und USB 3.0 stattfindet. Wir sind mit dem Portfolio an Industrie-PCs exzellent aufgestellt und decken alle Marktanforderungen ab. Die Automation PC 910 und 3100 sind mit den Core-i-Prozessoren der 6. und 7. Generation auf dem neuesten Stand. Gleiches gilt für das kompakte System Automation PC 2200. Diesen Nachfolger des Automation PC 2100 mit Intel Atom Prozessoren der neuesten Generation haben wir gerade auf der Hannover Messe vorgestellt.
B&R nimmt an Early-Access-Programmen von Intel teil. Wir werden frühzeitig von Intel informiert, wenn neue CPU-Generationen entwickelt werden. So können wir neue Versionen unserer Automation PCs zur gleichen Zeit auf den Markt bringen, wie Intel seine neuen CPUs.

IPCs sind die Grundlage für viele Komplettsysteme, speziell im Bereich Industrie 4.0. Macht sich dieser Geschäftszweig schon bei Ihnen bemerkbar?

Ja natürlich, wir haben zum Beispiel viele Anfragen in Richtung Cloud Connectivity. Die Automation PCs werden dabei als Edge Controller eingesetzt, um Daten zu erfassen und aggregieren und dann in die Cloud zu schicken. Weitere Anwendungen finden sich in innovativen vernetzten Fertigungskonzepten. Bestes Beispiel ist die hochautomatisierte Fertigung der B&R-Komponenten im eigenen Werk, die die eingangs erwähnte Fertigung in Losgröße 1 trotz hoher Gesamtstückzahlen ermöglicht.

Wie verändert IoT die Welt der IPCs? Können Sie es an einem konkreten Beispiel festmachen?

In der vernetzten Welt spielt Datensicherheit eine sehr große Rolle. Ein konkretes Beispiel im PC Bereich ist das Trusted Platform Module (TPM), das die PC-Architektur um grundlegende Sicherheitsfunktionen erweitert und Software gegen Manipulation durch Dritte schützt. Alle aktuellen Automation PCs beinhalten den TPM-Chip.

Panel-PCs bieten Sie mit Single- und Multi-Touch an. Was wird denn mehr nachgefragt? In welche Richtung geht der Trend?

Bei Neuentwicklungen von Maschinen geht der Trend bei der Visualisierung klar in Richtung Multi-Touch. Hier spielt die Kombination aus attraktiv designter Glasoberfläche und modern gestaltbarer Benutzeroberfläche mit intuitiver Bedienerführung ihre Vorteile aus. Gleichzeitig ist jedoch festzuhalten, dass die Single-Touch Panels immer noch einen Großteil der Stückzahlen ausmachen. In Serienproduktion befindliche Maschinen sollen ja einfach weiter produziert werden können. B&R unterstützt dies auch mit einer langjährigen Verfügbarkeit der 4:3 Displays wie 10,4“ VGA und 15“ XGA. Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben seit den 2001 eingeführten Power Panel 100 über vier Produktgenerationen denselben Panel-Formfaktor, das heißt dieselbe Diagonale und Auflösung, Tastenanordnung und Einbauausschnitt. Schließlich wollen wir unseren Kunden nicht vorschreiben, wie lange sie bestehende Technologie einsetzen sollen.

Kontaktieren

B&R Industrial Automation GmbH
B&R Strasse 1
5142 Eggelsberg
Austria
Telefon: +43 7748 65860

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