Wie austauschbar ist menschliche Arbeitskraft?

Im Jahr 2013 verursachte eine Studie der beiden Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael Osborne der Oxford Martin School Sorge um die Ersetzbarkeit menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen. Ihren Auswertungen zufolge seien in den USA derzeit 47% der Beschäftigten in einem Beruf mit hohem Automatisierungsrisiko angestellt. Insgesamt untersuchten sie 702 Berufe hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit, in Zukunft von Maschinen ausgeübt zu werden.

Technologie im Alltag

Der technologische Wandel schreitet voran. In der Landwirtschaft übernehmen Maschinen das Ruder, ein Großteil der Industrie arbeitet mit automatisierten Abläufen und auch im Haushalt schlägt die Automatisierung immer tiefere Wurzeln. Diese Tatsachen stellen schon seit geraumer Zeit keine Neuigkeiten mehr dar.

Ansatz der Studie von Frey/Osborne

Dennoch wurden Befürchtungen laut, dass bald ein Wandel des deutschen Arbeitsmarktes bevorsteht – bedingt durch die zunehmende Technologiesierung am Arbeitsplatz. Grund dafür ist die Studie von Frey und Osborne, die sich auf die aktuellen Fortschritte der Lernfähigkeit, Intelligenz und Mobilität von Robotern bezieht.

Die beiden Wissenschaftler stellen die These auf, dass 47% der Beschäftigten in einem Beruf arbeiten, der in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren automatisiert werden könnte. Im ersten Teil ihrer Studie entwickelten sie eine Möglichkeit, Berufe hinsichtlich ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit einzuschätzen. Danach übertragen sie das Automatisierungspotential auf 702 detaillierte Berufe und betrachten mögliche Auswirkungen auf den US-amerikanischen Arbeitsmarkt.

Vergangenheit vs. Zukunft

In der Vergangenheit führte die Einführung neuer Techniken zur Produktionssteigerung, aus der Preissenkungen resultierten. Davon profitierten nicht nur Firmen, sondern auch Arbeitnehmer erhielten höhere Löhne. Die Nachfrage stieg, es entstanden neue Unternehmen, die wiederum für mehr Arbeitsplätze sorgten. Die Technisierung verbuchte somit einen Erfolg auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt.

Heutzutage steigt die Anzahl an technischen Neuerungen stetig. Für den Menschen wird es immer schwerer, sich gegen die Automatisierung durchzusetzen, denn Maschinen beherrschen nicht mehr nur routinemäßige Aufgaben.

Es ist möglich, kognitive und manuelle Tätigkeiten zu computerisieren und dadurch menschliche Arbeitskraft einzusparen.

Kann weg oder soll bleiben?

Mithilfe der Datenbasis O*Net des amerikanischen Arbeitsministeriums ordneten Frey und Osborne mehr wie 900 Berufe der Standart Occupational Classification (SOC) zu. Es wurde ein Workshop angesetzt, auf dem sie in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten die verbleibenden 702 Berufe in die Kategorien automatisierbar und nicht automatisierbar einordneten. Bei Berufen der Klasse automatisierbar schätzten sie die Automatisierbarkeit als niedriges (0-30%), mittleres (30-70%) und hohes (über 70%) Potential ein. Dabei achteten sie sowohl auf die Tätigkeiten, die in den verschiedenen Berufen ausgeübt werden, als auch auf die benötigten Fähigkeiten.

Die Automatisierungswahrscheinlichkeit und ihre Auswirkungen

Das Ergebnis verdeutlichte, dass Berufe von 47% der angestellten US-Bürger ein hohes Automatisierungsrisiko aufweisen. Auswirkungen auf die Automatisierungswahrscheinlichkeit haben dabei Löhne und Qualifizierungen. Geringverdiener mit einem niedrigen Bildungsabschluss arbeiten häufig in Berufen mit hohem Potential zur Automatisierung. Administrative Berufe, Berufe in der Logistik und dem Transport enthalten das größte Risiko, in der Zukunft durch Maschinen ersetzt zu werden. Doch auch viele Berufe im Dienstleitungssektor könnten automatisiert werden.

Laut Frey und Osborne führen die rasanten Entwicklungen in der Technik zu Neustrukturierungen von Arbeitsabläufen und Tätigkeiten. Die Arbeitsabläufe betroffener Berufsgruppen werden im Laufe der nächsten Jahre von Grund auf umstrukturiert. Tätigkeiten, die einer Routine unterliegen und automatisierbar sind, werden aus dem Tätigkeitsfeld der Beschäftigten wegfallen. Anspruchsvollere, qualifiziertere Aufgaben werden neu definiert. Gefordert werden Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Arbeitnehmer, um in dem technologischen Wandel weiterhin als Arbeitskraft zu bestehen.

Einen Vorteil gegenüber Maschinen werden weiterhin hochqualifizierte Beschäftigte mitbringen, besonders in Berufen, die Kreativität, soziale Intelligenz, Einfühlungsvermögen und Wahrnehmung voraussetzen. Die Automatisierungswahrscheinlichkeit bei kognitiven Tätigkeiten weist einen nur geringen Wert auf. Ein niedriges Risiko der Automatisierung gilt somit für akademische Berufe, Berufe im Finanzwesen, der Medienbranche sowie Berufe der Medizin, da die dortigen Tätigkeitsfelder schwer computerisiert werden können.

Die Studie zur Automatisierbarkeit von Berufen von Frey und Osborne legt in drastischer Weise dar, wie der US-amerikanische Arbeitsmarkt in einigen Jahrzehnten aussehen kann. Veränderungen werden einhergehen und Aufgabenfelder vieler Beschäftigter neu strukturieren. Es wird sich eine Grenze zwischen Löhnen und Qualifikationen einzelner Arbeitnehmer auftun, die der Automatisierbarkeit zu Schulde kommen wird. 

Ein Projektteam des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW übertrug die Studie auf Deutschland. Wie sieht dort die Automatisierungswahrscheinlichkeit aus? Und wie schätzen Experten in Deutschland die Lage ein? Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation, nimmt dazu Stellung

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